Freuen und Traurig sein im Amphitheater

Einen Tag nach der Preisverleihung versammelten wir uns alle im Amphitheater, um uns gemeinsam über den Jakob Muth-Preis für unsere Schule zu freuen. „Meine Lieblingsband“ spielte dort nochmal die zwei Songs und es herrschte eine tolle Stimmung.


Leider galt es dann Karolina zu verabschieden, die ihren Freiwilligendienst ein Jahr bei uns verbracht hatte und für uns alle eine gute Freundin geworden war, und auf deren Unterstützung wir jederzeit in allen Bereichen zählen konnten. Schüler und Lehrer hatten sich einige Überraschungen für sie ausgedacht und, die sie an uns erinnern, aber auch ihre weite Heimreise nach Ecuador verkürzen sollte.

Preisverleihung in Berlin

Unsere Delegation bestehend aus Schülern, Eltern, Lehrern, Erziehern und Schulbegleitern durfte bereits am Dienstag nach Berlin fahren und interessante Ecken und Gebäude unserer Hauptstadt kennen lernen. Am Mittwoch ging es dann mit dem Bus zur Zitadelle nach Spandau, wo die Preisverleihung stattfand.
Dort stießen noch unsere Schulleiterin Frau Müller, Frau Barczewski sowie von der Stadt die Fachdienstleiterin Frau Wolfer zu uns. Auch unser Minister war mit dem Zug gekommen.
Nach einem kurzen Podiumsgespräch mit einigen der Ehrengäste wurden jeweils die Filme der Preisträgerschulen gezeigt, die Urkunde an die ganze Delegation überreicht und jede Schule führte ihren vorbereiteten Beitrag auf. Wir bekamen unsere Urkunde von Minister Holter mit sehr anerkennenden Worten überreicht. Nach einigen Dankesworten von Frau Müller, übernahm Konrad Wollmann das Mikrophon und erklärte allen Gästen die Dinge über unsere Schule, die ihm wichtig sind aber noch nicht erwähnt wurden. Zudem sagte er unseren Beitrag an, nämlich „Meine Lieblingsband“ mit zwei Songs. Die Band besteht aus Schülern des 10. und 11.Jahrgangs, die sich nach der obligatorischen Instrumentalausbildung des 4.-6.Jahrgangs sowie dem Musizieren im Wahlpflichtbereich zusammengeschlossen haben und in ihrer Freizeit weiter Musik machen.
Insgesamt war die Veranstaltung von viel Wertschätzung für die ausgezeichneten Schulen und einem kurzweiligen Programm geprägt.

Preisträgerporträt

„Das System Schule ist eine konfliktreiche Bühne mit einem großen Orchester, dessen Instrumente immer wieder neu gestimmt werden müssen, damit ein harmonisches Zusammenspiel entsteht.“ – So steht es im Foyer der Gemeinschaftsschule „Kulturanum“ in Jena. Musik spielt an der Staatlichen Gemeinschaftsschule „Kulturanum“ in Jena eine wichtige Rolle. Alle Lerngruppen sind nach Instrumenten benannt, fast alle altersgemischt: im Untergeschoss die Blasinstrumente (Jahrgänge 1-3), darüber die Schlaginstrumente (Jahrgänge 4-6), ganz oben die Streicher (Jahrgänge 7-9) und darüber die Tasteninstrumente. Wer die Schule in der Mittagspause besucht, hört die Schüler*innen auf ihren Instrumenten üben. Musikalisch-kulturelle Projekte prägen ab Jahrgangsstufe 4 maßgeblich das Schulprofil.
Die Staatliche Gemeinschaftsschule „Kulturanum“ nahm ihre Arbeit im Jahr 2012 zunächst mit einer Untergruppe (1.-3. Jahrgang) und einer Mittelgruppe (4.-6. Jahrgang) auf. Sie wollte von Anfang an eine „Schule für alle“ sein. In beiden Altersgruppen, auch Stammgruppen genannt, lernten vom ersten Tag an Schüler*innen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam. Geholfen hat das Selbstverständnis aller am Prozess Beteiligten. „Wir wollten eine Schule gestalten, in der alle Kinder entsprechend ihren individuellen Lernvoraussetzungen lernen können“, heißt es in der Bewerbung der Schule. Heute findet der Unterricht für alle Kinder von der ersten bis zur zwölften Klasse jahrgangsübergreifend statt. Eine Stammgruppe besteht immer aus Schülern*innen dreier Jahrgänge. Eine Ausnahme bildet Jahrgang 10. Hier werden die Schüler*innen auf unterschiedliche Schulabschlüsse und/oder den Übergang in die gymnasiale Oberstufe vorbereitet – auch hier findet also gemeinsames Lernen statt.
Die Schule baut den Unterricht so auf, dass alle Schüler*innen individuell gefördert und gefordert werden können. Daher wird im Fach Englisch anhand von Leveln und im Fach Mathematik mit Lernpfaden gelernt. Die Schüler*innen erhalten jeweils einen Lernplan, auf dem beschrieben wird, welche Aufgaben zum jeweiligen Themenbereich bearbeitet werden sollen. Über das Lerntempo und die Wahl der Lernpartner*innen sowie des Lernweges können die Schüler*innen dann selbständig entscheiden. Vor allem durch die Jahrgangsmischung können sich alle in den Stammgruppen gegenseitig unterstützen. Dabei ist es auch kein Problem, wenn das ein oder andere Mal beim Nachbarn abgeguckt wird. „Abgucken in allen Phasen eines Schultages ist eine wundervolle Lernmethode. Manchmal lernen Schüler Sachen voneinander und miteinander, die wir nicht geplant und intendiert hatten. Dann gilt es auch für uns neu zu lernen.“
Im Anschluss an die erste Lerneinheit des Tages folgt das gemeinsame, selbst zubereitete Frühstück in der Stammgruppe. In die Vorbereitung der über 300 Portionen werden alle Schüler*innen mehrmals im Schuljahr einbezogen. Unterstützt werden sie von Eltern und anderen freiwilligen Helfern*innen. Der Unterricht findet in Blöcken statt, je nach Schulstufe von unterschiedlicher Länge. Das projektorientierte Lernen bildet das Herzstück der Schule: Es ermöglicht in kooperativen Lernformen und offenen Lernsettings gelingenden gemeinsamen Unterricht. Im Projektunterricht lernen alle am gleichen Gegenstand und können das auf ihren individuellen Anforderungsniveaus tun.
Im 3-Jahreszyklus werden fächerübergreifend verschiedene Themen aus allen Lehrplanbereichen bearbeitet. Zusätzlich können die Schüler*innen jährlich ein freies Thema wählen. Am Ende jeder Projekteinheit entsteht ein Produkt, welches den anderen Schüler*innen einen Einblick in das Bearbeitete ermöglichen soll. Die Schüler*innen arbeiten sehr selbständig – von der Themenfindung bis hin zur Produkterstellung (z.B. Modelle, Filme, Kunstwerke) und Präsentation. Mehrmals im Monat wird der Unterricht in den Untergruppen durch einen „Draußentag“ ergänzt: Die Schüler*innen erkunden die Umgebung Jenas zu Fuß, Stadt und Umgebung werden zum erweiterten Klassenzimmer. In den Obergruppen tauschen die Schüler*innen einmal wöchentlich für 90 Minuten den Schulalltag gegen die Mitarbeit in Betrieben, Vereinen und Bildungseinrichtungen der Stadt Jena ein – als Teil des Projektes „Raus ins Leben“.
Die Mittagspause bietet den Schüler*innen neben einem Mittagessen auch zahlreiche andere attraktive Angebote. Neben der Musik können die Kinder Sport treiben oder mit Technik experimentieren. Sie werden dazu angeregt, Dinge auszuprobieren und erworbene Fähigkeiten zu vertiefen. An drei Tagen findet nach der Pause verbindlicher Unterricht statt. An den anderen Tagen können die Schüler*innen nach Belieben zu Mittag essen, die vielfältigen Angebote nutzen oder ihre Zeit bis 17 Uhr im Hort verbringen.
Zum Ende des 2. Blocks kündigt Frau Schmidt bei den Hi-Hats die tägliche Feedbackrunde an. Alle Kinder kommen in der Mitte des Raumes zusammen und geben eine ehrliche Rückmeldung darüber, was sie heute erreicht haben. Luis erklärt: „Ich gebe mir einen Stern, weil ich heute alles geschafft haben, was ich mir vorgenommen hatte.“ Marie ist mit sich nicht zufrieden: „Ich gebe mir heute keinen Stern, weil ich zu viel gequatscht habe.“ Anna trägt Einschätzungen in die dafür erstelle Liste ein. Solche Selbsteinschätzungen sind im Schulalltag sehr zentral. Nach den meisten Projektphasen werden Selbsteinschätzungsbögen ausgefüllt. Und jede*r trägt in seinem Logbuch ein, ob die Ziele erreicht wurden. Die Schule sagt: „Es ist uns wichtig, dass die Schüler*innen lernen, sowohl ihre eigene Leistung als auch die ihrer Mitschüler zu bewerten. Nur wer seinen eigenen Leistungsstand kennt und Ursachen für Erfolge und Misserfolge analysieren kann, wird Ziele und Wege für sein weiteres Lernen und Arbeiten bestimmen können.“
Auch die Lehrer*innen geben eine Beurteilung zur ihrer eigenen Leistung ab. Im Anschluss wird dann noch die Einschätzung für die gesamte Klasse gegeben. Bekommt sie heute einen Stern für gutes Arbeiten? Wenn hier eine bestimmte Anzahl erreicht ist, unternimmt die Klasse gemeinsam etwas Schönes. Jeden Freitag entscheiden die Schüler*innen zudem gemeinsam, wer das Lob der Woche mit nach Hause nehmen kann. Zum Wochenausklang lässt jede Stammgruppe die Woche noch einmal Revue passieren, damit sich dann alle in das wohlverdiente Wochenende verabschieden können.
Allerdings würden manche Schüler*innen vielleicht auch noch das Wochenende an der Schule verbringen, denn sie ist für Erwachsene, Kinder und Jugendliche gleichermaßen Lebensraum und lebendiges Orchester, das immer wieder neue Klänge hervorbringt.

Hurra, Hurra – wir fahren nach Berlin!

Am 25.September 2019 wird der diesjährige Jakob Muth-Preis für inclusive Schulen in Berlin vergeben und wir sind dabei.
Der Jakob Muth-Preis für inklusive Schule zeichnet seit 2009 Schulen aus, die inklusive Bildung beispielhaft umsetzen und so allen Kindern die Möglichkeit eröffnen, an hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre individuellen Potenziale zu entwickeln.
Projektträger sind der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, die Deutsche UNESCO-Kommission e.V. und die Bertelsmann Stiftung.
Das Pädagogenteam unserer Schule hat sich in diesem Jahr beworben, gemeinsam die Antragsunterlagen ausgefüllt und sich dabei folgenden Kriterien gestellt:

  • Schule auf dem Weg zur Inklusion
  • Inklusives Lernen
  • Inklusion und Leistung
  • Inklusion und Gesellschaft

Und wir haben es geschafft und können stolz auf das Erreichte sein.
Die Begründung für die Preisvergabe finden Sie hier:

Link

Eine Delegation aus Schülern, Eltern, Lehrern, Erziehern, Schulbegleitern und Vertretern der Stadt wird den Preis in Berlin in Empfang nehmen.

Wir werden berichten!